Karin Klemme

KARIN KLEMME

"Ich träume von einem Zentrum zum Flanieren, einem Ort, an dem man Hinz und Kunz trifft."

Karin Klemme ist in Falkensee aufgewachsen und hat hier ihr ganzes Leben verbracht. Die gelernte Friseurin engangiert sich in der Selbsthilfegruppe Fibromyalgie und dem Netzwerk "Hobbykünstler". Ulf Hoffmeyer-Zlotnik hat mit ihr dieses Gespräch geführt.

INTERVIEW

Wir kennen uns bereits seit Jahren, daher erlaube mir bitte, dass ich Dich auch in diesem Interview duze. Für mich gehörst Du zu der inzwischen immer seltener werdenden Gruppe der Falkenseer, die schon vor 1990 hier gewohnt haben, das sind von den inzwischen rund 45.000 Einwohnern nur noch etwas mehr als 8.000.

Ich wurde 1952 im jetzigen ASB-Wohnheim, dem damaligen Krankenhaus geboren. Meine Großeltern gehörten mit zu den Ersten, die in Waldheim sich ein Haus gebaut haben. Ich bin daher in Waldheim groß geworden und in die Lessingschule nach Finkenkrug  gegangen. 1970 bin ich dann nach meiner Hochzeit  in die für mich damals „große Stadt Falkensee“ in die Straße der Einheit gezogen. 1972 bekam ich in der Seegefelderstraße meine eigene Wohnung und konnte dort mit Familie einziehen. 12 Jahre später kauften wir uns ein kleines Grundstück in der Akazienstraße und bauten dort ein Einfamilienhaus, wo ich heute noch lebe. Ich habe somit mein ganzes Leben hier in Falkensee verbracht.

Auch meine Lehre habe ich in Falkensee/Waldheim als Friseuse absolviert. Das war bei dem Friseurmeister Schmidtchen, er war sehr streng, davon zehre ich heute noch. Was man einmal gelernt hat, hat man gelernt. Finkenkrug und Waldheim waren meine Orte, in denen ich gerne lebte und eine glückliche Zeit verbrachte. Früher gab es hier Geschäfte vom Tunnel bis zur Kirche und zurück. Falkensee war aber doch noch größer, da es dort Geschäfte auch in den Seitenstraßen gab. Man konnte hier damals schon von einem Zentrum sprechen. Das änderte sich dann nach der Wende durch den Tunnelbau und natürlich auch durch die Nähe zu Spandau und den Havelpark. Heute gehe ich mal da und hier einkaufen, gerade wie es passt.

In Falkensee gehe ich gerne zu Bäcker Thonke, zum „Roten Netto“ oder auch zu Rewe und Aldi. Schnüffle auch gerne mal im Weltladen oder bei Kik.  Ich liebe das Dekorieren und jeden Freitag ist mein persönlicher Putztag. Ich mag es gemütlich zu Hause haben.

Am deutlichsten fällt der Wandel schon bei den Drogerien auf, früher gab es davon sehr viele in Falkensee, heute nur noch einen Anbieter. Schreibwaren und ähnliches fehlen schon hier. Ich bin kein Mensch, der oft einkaufen geht, lieber einmal und dann richtig. Mit der gewonnenen Zeit kann ich schon wieder neue Ideen auf den Weg bringen.

Du hast somit noch ein ganz anderes Zentrum in Falkensee erlebt. Was sind Deine Vorstellungen bezüglich eines zukünftigen Falkenseer Zentrums?

Ich träume jetzt von einem Zentrum zum Flanieren mit Kleinkram, Nähzeug usw. Ich fände es gut, wenn es Orte gibt, an denen man Hinz und Kunz trifft. Wir brauchen kein großes Einkaufszentrum. Die kleinen Geschäfte schaffen ein bisschen Gemütlichkeit. Der Verkehr muss weg – auf jeden Fall der Durchgangsverkehr. Wenn ich vor dem Tunnel stehe in einer Schlange, und es kommt uns eine Schlange entgegen, und dann höre ich das Martinshorn, da bekomme ich eine Gänsehaut.

Eine Fußgängerzone von der Seegefelderstraße bis zum Tunnel könnte ich mir gut vorstellen mit vielen schönen kleinen, von der Miete her bezahlbaren Geschäften, wie früher das Nähstübchen in der jetzigen B-80 oder ein Schuhmacher usw.

Du engagierst Dich bei den Hobbykünstlern und organisierst das leben seit fast 15 Jahren einer Selbsthilfegruppe im Bereich der chronischen Erkrankung Fibromyalgie, wie bist Du zur Werbegemeinschaft „Starke Mitte“ gekommen.

Ich bin in die Gründungsveranstaltung irgendwie reingekommen. Wir hatten das gelesen und gleich die Idee, uns dort einzubringen. Für die Arbeit in der Selbsthilfe braucht man Mitstreiter also ein Netzwerk. Wir, das sind Betroffene aus der Selbsthilfegruppe und die Hobby Künstler haben ja unseren Ostermarkt und den Weihnachtsmarkt vor der alten Stadthalle und sind im Lokalen Bündnis für Familie aktiv. Ich möchte, dass alles harmonisch ist, ich bin ehrlich und fleißig und mag gerne Projekte, die ein Ziel haben, das man erreichen kann. Ich glaube auch, dass ich den Friseurberuf gelernt habe, um andere schöner zu machen, damit sie glücklich sind.

„Hobbykünstler“ sind freischaffende Handwerker, die in den verschiedenen Bereichen mit verschiedenen Materialien etwas herstellen. Daraus ist auch meine Idee entstanden, aus Müll wieder etwas Neues zu machen, z.B. aus alten Tetra-Packungen ein neues Portemonnaie.

Die Fibromyalgie Selbsthilfegruppe gehört der  Fibromyalgie-Liga Deutschland e.V. an. Wir sind die SHG Falkensee und Umland, also ein großes Einzugsgebiet. Da es für Fibro´s wichtig ist, eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu haben, sind viele aus der Gruppe auch bei den Hobbykünstlern, aber es machen auch noch andere „Künstler“ mit.

Welche Wünsche hast Du für diese zwei Gruppen in Bezug auf das Zentrum?

Weiterhin die Möglichkeiten zu den zwei Veranstaltungen noch ein wenig zu organisieren und zu gestalten, wie den Weihnachtsmarkt und den Ostermarkt. Dann auch noch den Wunsch nach einem Zentrum für Selbsthilfegruppen und für Ausstellungsmöglichkeiten, entweder durch Vitrinen oder in den vorhandenen Einrichtungen, Arztpraxen, Banken usw.. Ganz doll am Herzen liegen mir die öffentlichen Tauschbücherregale.

Für mich sind auch die monatlichen Treffen der „Starken Mitte“ wichtig, da ich dadurch andere Menschen kennenlerne. Ich habe dadurch zum Beispiel Matthias kennengelernt, der uns jetzt unterstützt, oder Thomas bringt Sachen in den Stadtentwicklungsausschuss ein. Man erfährt auch immer was los ist. Als ich mein Friseurgeschäft noch in Finkenkrug hatte, war ich immer gut informiert. Und auch den Umgang zwischen uns finde ich sehr sehr schön.

Das war ein Superschlusswort, vielen Dank für das Interview.