Ruhe und Vertrauen sind die Basis

Gerd Spengler: Fahrschule-GS

Fast jeder, der in Falkensee zur Generation Y oder Z gehört kennt ihn: Gerd Spengler. Der 55-jährige Fahrlehrer beweist seit 20 Jahren, dass jeder lernen kann, sicher hinter dem Steuer zu sitzen.  Ruhe und Vertrauen sind die Eckpfeiler seiner Tätigkeit. 

2006 kam der Berliner nach Falkensee als angestellter Fahrlehrer. „Es ist ein gutes Gefühl Vielen die Möglichkeit zu gegeben, unabhängig von Freunden, der Familie oder den Öffentlichen Verkehrsmittel, die eigene Freizeit zu planen und zu gestalten“, erzählt er. Falkensee wurde schnell eine zweite Heimat. 2012 entschloss sich Gerd Spengler, seine eigene Fahrschule-GS in der Dallgower Straße gegenüber vom neuen Gesundheitszentrum zu eröffnen. 

Geübt wird auf modernen Pkw und Motorrädern. Die theoretische Vorprüfung nimmt der Fahrlehrer, Dozent und Referent des Fahrlehrerverband-Brandenburg Bereich Motorrad sowie im Vorstand der Werbegemeischaft direkt in der Fahrschule ab. Und weil kurze Wege auch für seine Schüler wichtig sind, befindet sich das Führerscheinbüro zur Führerscheinprüfung-Anmeldung gleich im Gesundheitszentrum gegenüber.

 

INTERVIEW

„Ich fühle mich dann immer wie so ein kleiner Rocker.“

Es gibt Menschen, die bleiben schwer in Erinnerung. Gerd Spengler (54) aus Schönwalde schon! Seine Mundart ist echt und originell. Schnell schließt man Freundschaft mit seiner sympathischen Art und Weise, die Dinge zu sehen. Kein Wunder, dass er bei der Jugend als Fahrlehrer sehr beliebt ist. Spaß steht für ihn an erste Stelle. Das glaubt man sofort, wenn man ein Interview mit Gerd Spengler für die Werbegemeinschaft Starke-Mitte e. V. führen darf.

Herr Spengler, welches Auto fahren Sie privat? Und Warum?

Ford Fokus. War billig.

Oh! Ich nahm an, Autofahren ist für Sie etwas Besonderes und Sie hätten ein bewusst gewähltes Auto und würden sofort ins Schwärmen kommen.

Autofahren WAR für mich mal was Besonderes. Ich habe mittlerweile 6,5 Millionen Kilometer abgefahren. Ich hab keinen Bock mehr auf Autofahren. Das Einzige, was für mich zählt ist, Motorradfahren!

Was macht Motorradfahren für Sie so besonders?

Weil es das komplette Gegenteil ist. Ich habe dann meine Ruhe. Ich habe einen Helm auf, keiner quatscht mich voll, kein Radio läuft, kein Telefon klingelt. Kein Garnichts. So kann ich die Freiheit genießen und fühle mich dann immer wie so ein kleiner Rocker. Dabei spielt es eigentlich gar keine Rolle was es für ein Motorrad ist. Es kann sogar ein Motorroller sein.

Fahren Sie lieber alleine oder in einer Gruppe?

Beides. Manche Strecken fahre ich lieber alleine oder mit meiner Frau oder vielen zusammen.

Ihre Frau ist eine Rockerin?

Ja naja, sie ist genauso wie ich. (Lacht) Wir fahren gern nur zu zweit. Manchmal in kleinen Gruppen. Ich kenne viele Harley Davidson Fahrer, sprich, die bösen Motorradfahrer. (zeigt Anführungsstriche)

Ich habe schon eine Weile den Verdacht, dass Harley Fahrer große Teddybären sind...

Ja, natürlich. Wir sind absolut friedlich. Aber das Bild nach außen hin ist eigentlich immer das gleiche: Motorradfahrer sind böse Rocker und Rocker sind kriminell. Aber ich kenne viele Leute in gehobenen Positionen, welche Motorrad fahren.

Ab welchem Alter empfehlen Sie Jugendlichen das Motorradfahren?

Im Prinzip sollte man von Grund auf anfangen und als erstes den Mofa-Führerschein machen. Dann den Moped-Führerschein und sich dann dementsprechend immer weiter nach oben steigern. Wenn nicht die Möglichkeit da ist, Zweirad zu fahren, dann kann man mit 17 den PKW-Führerschein mit begleitetem Fahren nutzen. Das heißt also, es ist immer ein Elternteil mit auf Fahrt. Dieses Programm können wir schon mit 16,5 Jahren starten, so dass wir zum 17. Geburtstag den Führerschein fertig haben.

Sie haben vorwiegend Jugendliche als Kunden. Wie schnell sind Sie mit denen per Du?

Eigentlich von Anfang an. Bei uns in den Fahrschulen ist das einfach so. „Guten Tag, ich bin Gerd, komm rein!“ Davon ganz abgesehen, finde ich dieses Siezen grauenvoll. Wenn es ein wildfremder Mensch ist, den ich auf der Straße treffe, welcher mir älter erscheint – ohne Frage, da sieze ich. Wenn ich aber zum Dönermann gehe, sage ich “Kannste mir mal schnell ´n Döner machen? Oder im Bereich KFZ „Kannst Du mir ein paar Reifen empfehlen?“ Immer alles auf DU. Hier geht es ganz schnell.

Durch die Arbeit mit den Jugendlichen wirken Sie junggeblieben. Finde ich super! Es spricht sich rum, dass es mit Ihnen gut läuft.

Also, ich arbeite unwahrscheinlich gerne mit Jugendlichen. Ich bin Vater von drei Mädels und liebe es, Mädchenpapa zu sein. Scheinbar komme ich deshalb mit Mädels besser klar und habe einen großen Zulauf. Die Kerle in dem Alter sind mir manchmal zu doof.

Was stört Sie an den Jungs im Alter 17–18?

Ganz ehrlich, als ich in dem Alter war, habe ich mein erstes Mofa frisiert. Heute steht es in einem Verkehrsmuseum. Heutzutage ist es so, dass eher die Mädels sagen „Kannst du mal bitte die Motorhaube aufmachen und mir erklären, was da vorne zu machen ist und was ich überprüfen muss?“ Die Mädels fragen nicht nur einmal, sondern zwei- oder dreimal. Die Kerle sagen „Das macht mein Vater“, oder „Ich bring das Ding in die Werkstatt oder zum Kumpel.“

Sie sind seit 1995 Fahrlehrer und waren in zwei verschiedenen Fahrschulen angestellt. Warum haben Sie sich 2012 selbständig gemacht?

Ich war insgesamt in drei Fahrschulen angestellt. Zwei davon in Falkensee. Bei der letzten Fahrschule war ich 7 Jahre. Ich wollte mich schon eine ganze Weile mit einer Fahrschule selbständig machen, weil ich andere Ansprüche hatte. Ich wollte viele Dinge anders machen. Der Fahrlehrer-Kollege, der vor mir diese Gewerberäume betrieb, hatte mir diese Räume angeboten. Das war 2012.

Haben Sie Ihren Schritt in die Selbständigkeit schon mal bereut oder ist es genau das Richtige für Sie?

Grundsätzlich ist es genau das Richtige. Viele Hürden haben sich für mich nicht ergeben. Das einzige Manko ist, dass ich keinen Fahrlehrer als Angestellten finde.

Sie meinen – keinen Guten?

Ja! Es gab in den letzten Wochen ein paar Vorstellungsgespräche. Bei dem einen musste ich danach den Laden zwei Stunden lang durchlüften. Der andere wollte nur vormittags arbeiten und der dritte hat gefragt, ob er um Nachtfahrten drum herum kommt. So was gibt es bei mir aber nicht.

Können Sie mir sagen, worauf ein potentieller Fahrschüler achten sollte, wenn er sich eine Fahrschule aussucht?

Kurz und schmerzlos: Die Sympathie zum Fahrlehrer ist das Wichtigste. Wenn die Chemie mit dem Fahrlehrer nicht stimmt, wird der Schüler unglücklich. Deshalb ist es immer wichtig, nach dem Fahrlehrer zu fragen und nicht nach der hübschen Bürodame zu urteilen. Im Regelfall brauchst Du heute 2–3 Monate, um einen Führerschein zu machen. Wenn die Sympathie stimmt, dann nicht auf den Preis gucken. Hier in Falkensee sind die Preise insgesamt plus minus 50–100 Euro. Der Führerschein kostet in Falkensee überall das gleiche. Das nimmt sich hier nicht viel.

Ohne, dass Sie jetzt werberisch werden sollen, aber können Sie mir sagen, was Ihre Fahrschule von anderen unterscheidet? Warum sollte ein Jugendlicher oder eine Jugendliche zu Ihnen kommen?

Weil ich nett bin. Weil ich eine große Klappe habe. Weil ich verdammt gut aussehe. Weil bei mir im Vordergrund der Spaß beim Lernen steht. Wenn sie Spaß haben, kommen sie auch gerne zur Fahrschule. Meine Messlatte ist aber auch, was Sicherheit angeht, sehr hoch. Eine gute Ausbildung hat für mich oberste Priorität.

...und der zu vermittelnde Stoff lässt sich besser merken?

Ja. Beim theoretischen Unterricht sehe ich das immer so: Sie sollen lachen. Sie sollen zwischendurch ruhig auch mal einen Lachkrampf bekommen. Ich mache mich dafür so viel zum Appel. Wenn sie Spaß haben, sind sie auch gut im Lernen. Da machen sie mit und ziehen die 14 Theoriethemen auch wirklich zügig durch. Genauso ist es auch im praktischen Unterricht. Auch da soll es so lustig wie möglich sein. Aber auch so wichtig wie möglich! Wir haben so viele Idioten auf der Straße. Ich muss nicht noch zusätzlich welche produzieren. Ich sage immer „Ich produziere“.

Diese Seite der Dallgower Straße ist verhältnismäßig ruhig. Das wird sich ändern, wenn alles nach Plan läuft. Dann eröffnet das Einkaufszentrum. Von Ihrer Fahrschule aus wären es dann nur ca. 50 Meter. Meine Frage: Was erhoffen Sie sich von SeeCarré? Oder was befürchten Sie?

Ich erhoffe mir eigentlich gar nichts. Ich habe weder positive noch negative Gedanken in dem Sinne. Mein Geschäft läuft über Mundpropaganda und nicht übers SeeCarré.

Denken Sie, das Konzept des SeeCarré geht auf oder wird es in 5 Jahren so leer stehen wie die Adlerpassage?

Ich denke schon, dass das SeeCarré gute Chancen hat. Es müssen nur vernünftige Läden rein. Damit meine ich etwas gehobene Läden statt der Billiganbieter. Aber ich bin kein Marktforscher. Vielleicht kommen auch die Spandauer zu uns. Oder die Nauener. Vom Bahnhof ist es nicht weit.

Sie fahren täglich und viel durch Falkensee. Gefällt Ihnen Falkensee überhaupt?

Mittlerweile gefällt es mir hier. Das Straßennetz ist relativ gut ausgebaut. Schöne Ecken sind für mich die Bereiche, wo die vielen Einfamilienhäuser stehen. Hier hast du zwar Stadt- aber auch großflächigen Dorfcharakter. Was mir auch gefällt, ist das viele weite Land um Falkensee herum. Du brauchst einfach nur den Fuß vor die Tür setzen und kannst Pferde und Kühe sehen oder Erdbeeren essen. Das finde ich schon schön.

Wenn Sie heute einen „Wünsch dir was-Tag“ hätten. Was würden Sie sich für Falkensee wünschen?

Ich beziehe mich jetzt ganz einfach auf Falkensees Mitte, speziell die Bahnhofstraße. Momentan finde ich diese Straße absolut unattraktiv und hässlich bis auf wenige Häuser. Man kann nur hoffen, dass die alte Stadthalle so schnell wie möglich abgerissen wird und dass dort etwas Vernünftiges gebaut wird. Wir brauchen Begegnungspunkte für einzelne Gruppen. Wir brauchen einen Ort, an dem sich die Jugend treffen kann. Ebenso einen für ältere Leute. Aber diese Orte sollte man nicht trennen. Die Begegnungspunkte müssen so geschaffen sein, dass sie dicht an dicht sitzen. Ich möchte, dass die Jugend wieder ein bisschen mehr Respekt vor dem Alter bekommt und das Alter nicht immer nur auf der Jugend rumhackt. Das ist eigentlich das größte Problem, das wir haben. Hier in Falkensee ist das ganz deutlich spürbar.

Also eine Mehrgenerationenstraße? Schöner Gedanke.

Ja, sozusagen. Einfach ein bisschen schöner gestalten. Nicht so wie jetzt – ein Beerdigungsinstitut und daneben ein Asia-Textil-Laden. Diese Ecke sieht grauenvoll aus.

Kennen Sie einen typischen Fahrlehrerwitz?

Nee, einen direkten Fahrlehrerwitz kenn ich gar nicht.

Ich dachte, die gibt es zur Genüge... Dann vielleicht eine Anekdote?

Also so speziell gibt’s keine Anekdote. Aber wenn uns während der Fahrschulstunde zu dicht vorgefahren wird und wir stehen an einer roten Ampel, dann steige ich auch schon mal aus, öffne meine Heckklappe und frage, ob der Auffahrende nun genug gesehen haben. Die Gesichter und Blicke sind Gold wert. Jeder sollte sich daran erinnern, dass er selbst einmal im Fahrschulwagen gesessen hat.

Sie sind wohl ein Pädagoge in allen Lebenslagen?

Sozusagen. Man versucht natürlich verkehrserzieherische Maßnahmen einfließen zu lassen. Das endet nicht an der Bürotür.

Der Verdacht kommt auf, dass Sie womöglich ein guter Lehrer gewesen wären.

(Lacht laut auf) Ich weiß es nicht, keine Ahnung.

Was haben Sie vor der ...

Ach ja, jetzt fällt mir wieder eine nette Anekdote ein. Bei einer Prüfung sollte eine Schülerin das Bremslicht kontrollieren. Sie nach hinten gegangen, kam wieder zurück und sagte zum Prüfer „Alles in Ordnung“. Darauf der Prüfer „Wie viele?“. Sie geht nochmals nach hinten, kommt nach einer Weile wieder zurück und sagt „22.“ Der Prüfer „Wie???“ Beide steigen aus und zählen. Eine rechts, eine links und 20 LEDs im dritten Bremslicht.

Was haben Sie vor der Fahrschule gemacht?

Ich habe ursprünglich Maurer gelernt. Ich hatte auch ein eigenes Bauchgeschäft. Das ist leider schiefgegangen, weil ich die falschen Mitarbeiter hatte, welche in die eigene Tasche gewirtschaftet hatten. Danach war ich 14 Jahre im Fernverkehr.

Und dann wurden Sie mit der Zeit wieder sesshaft?

Ja, ich hatte einfach das Problem, dass ich kaum was von den Kindern hatte. Irgendwann habe ich gesagt „Ich schmeiß es hin. Ich möchte wieder in den Stadtverkehr.“ Da habe ich dann erst einmal in einem Fäkalienunternehmen angefangen und Fäkalien gefahren.

Es musste unbedingt ein Job mit vier Rädern sein?

Ich weiß nicht, ob es hätte sein müssen. Es war aber eben das, was ich kannte. Und ich hatte einen Führerschein in der Hand. War 14 Jahre in Europa unterwegs. Und dann überlegst Du halt und denkst Dir „Du hast doch einen Führerschein. Und außerdem einen Kranschein, Lokschein und die ganzen Gefahrengutscheine. Ich bin ein richtig ausgebildeter Berufskraftfahrer. Und wenn ich das alles vorweise, dann sagen sie „Oh, fangen Sie mal bei mir an.“ So kam es, dass ich Fäkalien fuhr. Na mein Gott. Mir ist es egal, was ich fahre. Das riecht am ersten Tag ein bisschen komisch. Am zweiten Tag nicht mehr so, am dritten kannst du schon eine Stulle dabei essen.

Und Ihre Frau hat ab sofort die Fenster auch im tiefsten Winter aufgelassen?

Nee, ich habe ja danach geduscht.

Der Geruch zieht nicht ein?

Nee, bei Fäkalien nicht. Schlimm ist es, wenn du Fettiges absaugst, also aus Großküchen oder Frittenbuden. Das kannst du nicht die ganze Woche durchmachen. Das setzt sich fest im Auto und Du musst laufend Putzen. Da stinkt dann auch die Haut teilweise nach zweimal duschen noch.

Und dann wurden Sie Fahrlehrer?

Jemand hatte mich gefragt, warum ich nicht Fahrlehrer werde. Da habe ich gedacht „Stimmt, könnte man ja auch. Dann bist Du immer mit jungen Leuten zusammen. Du bist ja sowieso jemand, der gern auch quatscht.“ Und dann habe ich mich gekümmert und in Eigenregie ohne Zuzahlung durch das Arbeitsamt tagsüber den Fahrlehrerberuf gelernt und nachts Heizöl gefahren.

Haben Sie damit Ihre Berufung gefunden oder werden Sie noch einmal etwas anderes machen?

Ich denke mal, mit der Fahrschule gehe ich in die Rente. Die ist mein Baby. Ich möchte mich gerne vergrößern. So dass ich noch eine Fahrschule bei mir im Ort habe, wo ich alles alleine machen kann. Da hast Du dann halt nur 4 oder 5 Schüler. Und dann auch mal einen Tag in der Woche haben, an dem Du früh Zuhause bist. Das wäre was!

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei! Vielen Dank für das Gespräch!

 

Interview und Foto: Stefanie Witt (kontakt@grafik-design-witt.de)